Interview mit Rechtsanwalt Mike Rasch, Fachanwalt für Datenschutzrecht von der Kanzlei Linnemann aus Dresden

Veröffentlicht:

Mittwoch, 28.02.2024
von Die Redaktion

Interviewer: Guten Tag, Herr Rasch. Kürzlich hat das Oberlandesgericht Hamburg ein bedeutendes Urteil gefällt, das Bewertungsplattformen wie Kununu betrifft. Können Sie uns die Kernpunkte dieses Urteils erläutern?

Mike Rasch: Selbstverständlich. Das Gericht hat entschieden, dass wenn Zweifel an der Authentizität einer Bewertung auf einer Plattform wie Kununu bestehen, die Plattform entweder den echten Namen des Bewertenden offenlegen oder die betreffende Bewertung entfernen muss. Dies stellt einen interessanten Fall im Spannungsfeld zwischen Anonymität und Transparenz dar.

Interviewer: Welche Auswirkungen hat diese Entscheidung auf die Praxis von Bewertungsplattformen?

Mike Rasch: Plattformen müssen nun sehr sorgfältig mit Beschwerden über möglicherweise gefälschte Bewertungen umgehen. Sie stehen vor der Herausforderung, einen Ausgleich zwischen dem Schutz der Anonymität ihrer Nutzer und der Wahrung der Glaubwürdigkeit der veröffentlichten Inhalte zu finden.

Interviewer: Sehen Sie potenzielle Konflikte mit dem Datenschutzrecht?

Mike Rasch: Absolut. Die Offenlegung des Klarnamens eines Nutzers berührt unmittelbar datenschutzrechtliche Bestimmungen, insbesondere die Grundsätze der Datensparsamkeit und der Zweckbindung. Die Entscheidung wirft Fragen auf, wie diese Grundsätze in Einklang mit dem Bedürfnis nach Authentizität und Vertrauen auf Bewertungsplattformen gebracht werden können.

Interviewer: Was raten Sie Nutzern, die Bewertungen auf solchen Plattformen hinterlassen möchten?

Mike Rasch: Nutzer sollten sich der möglichen Konsequenzen ihrer Bewertungen bewusst sein, insbesondere in Fällen, in denen die Echtheit ihrer Beiträge angezweifelt werden könnte. Es ist wichtig, dass Bewertungen ehrlich und nachvollziehbar sind, um mögliche rechtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden.

Interviewer: Vielen Dank, Herr Rasch, für diese aufschlussreichen Informationen.

Mike Rasch: Gerne. Es ist immer wichtig, sich über die rechtlichen Aspekte im digitalen Raum bewusst zu sein.