Interview mit dem Immobilienexperten Birger Dehne zur Krise im US-Gewerbeimmobiliensektor

Veröffentlicht:

Dienstag, 27.02.2024
von Die Redaktion

Moderator: Wir begrüßen heute Birger Dehne, einen renommierten Immobilienexperten, um über die aktuelle Krise im US-Gewerbeimmobiliensektor und deren Auswirkungen auf deutsche Banken zu sprechen. Herr Dehne, die Deutsche Pfandbriefbank hat kürzlich massive Rückstellungen angekündigt. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Birger Dehne: Guten Tag. Ja, die Ankündigung der PBB, Rückstellungen in Höhe von bis zu 215 Millionen Euro zu bilden, ist ein deutliches Signal dafür, wie ernst die Lage ist. Es handelt sich um die gravierendste Krise im Immobiliensektor seit der Finanzkrise 2008. Die PBB, die aus der damals geretteten Hypo Real Estate hervorgegangen ist, steht hierbei exemplarisch für ein weitreichendes Problem.

Moderator: Die Auswirkungen scheinen nicht nur einzelne Institute zu betreffen. Können Sie uns mehr darüber erzählen?

Birger Dehne: Absolut. Was wir sehen, ist eine branchenweite Belastung. Mehrere Kreditinstitute, die im Gewerbeimmobiliensektor engagiert sind, spüren den Druck. Die Situation hat sich verschärft, als Anleihen deutscher, immobilienorientierter Banken stark an Wert verloren, nachdem Analysten von Morgan Stanley zu Verkäufen rieten. Dies betrifft nicht nur die PBB, sondern auch größere Akteure wie die Deutsche Bank, die ihre Rückstellungen für Verluste im US-Gewerbeimmobiliensektor deutlich erhöhen musste.

Moderator: Wie wirkt sich die Situation in den USA auf den globalen Markt aus?

Birger Dehne: Die Krise in den USA hat weitreichende Folgen. Insbesondere die Turbulenzen um kleinere und regionale Banken in den USA, die eine zentrale Rolle in der gewerblichen Immobilienfinanzierung spielen, haben bereits zu einer Vertrauenskrise geführt, die auch Europa erreicht hat. Das Beispiel der Credit Suisse zeigt, wie schnell sich solche Krisen zu systemischen Risiken entwickeln können.

Moderator: Welche Rolle spielen die Zentralbanken und die Zinspolitik in diesem Kontext?

Birger Dehne: Die steigenden Zinsen sind ein erheblicher Faktor, der die Krise zusätzlich anheizt. Höhere Zinsen verteuern nicht nur Immobilienkredite, sondern beeinflussen auch die Investitionsbereitschaft negativ. In einem Umfeld, in dem die Auslastung von Gewerbeimmobilien ohnehin schon durch die Folgen der Pandemie beeinträchtigt ist, verschärft dies die Situation zusätzlich.

Moderator: Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung im Gewerbeimmobiliensektor?

Birger Dehne: Es ist eine schwierige Lage. Die hohe Leerstandsquote und der drastische Anstieg der ausfallgefährdeten Kredite in den USA sind alarmierende Zeichen. Wir müssen mit erheblichen Anpassungen im Markt rechnen, die zu weiteren Verlusten führen könnten. Die Warnungen der Bundesbank hinsichtlich der Risiken und der Kapitalkonzentration bei einigen Banken sollten sehr ernst genommen werden.

Moderator: Herr Dehne, wir danken Ihnen für Ihre Einsichten und die klare Analyse der aktuellen Lage.

Birger Dehne: Es war mir ein Anliegen, die Situation zu erläutern. Vielen Dank für die Einladung.