Risiken aus hohem Zinsanstiegen

Veröffentlicht:

Mittwoch, 17.01.2024
von wpservice

Seit Juli 2022 hat die Europäische Zentralbank (EZB) in einem historischen Schritt den Leitzins zehn Mal erhöht, wodurch er von 0 auf 4,5 Prozent angestiegen ist. Diese Zinserhöhungen wurden von Banken und Versicherungsunternehmen insgesamt gut verkraftet, auch dank der von der Aufsicht verhängten institutsspezifischen Kapitalzuschläge. Über 800 Banken haben beispielsweise einen Zuschlag für Zinsänderungsrisiken im Rahmen des SREP (Supervisory Review and Evaluation Process) erhalten, was etwa zwei Drittel aller Kapitalzuschläge ausmacht.

Um die durch die Zinserhöhungen entstandenen Bewertungsverluste, vor allem bei festverzinslichen Wertpapieren, auszugleichen, haben viele Unternehmen auf stille Reserven zurückgegriffen, um ihr Eigenkapital zu stärken. Trotz der Herausforderungen durch die rasche Zinswende haben sich die Risiken für Finanzunternehmen bisher in Grenzen gehalten. Ein weiterer Zinsanstieg oder eine stärkere Verkehrung der Zinsstrukturkurve könnte jedoch erneut zu verschärften Risiken führen. Die Wahrscheinlichkeit weiterer signifikanter Zinserhöhungen ist im Laufe des Jahres 2023 jedoch gesunken, wodurch auch das Zinsrisiko insgesamt zurückgegangen ist.

Die Zinserhöhungen haben sich positiv auf die Zinserträge der Kreditinstitute ausgewirkt, da die Zinsmargen durch die noch nicht vollständig an die Einleger weitergegebenen höheren Zinsen signifikant gestiegen sind. Die Kernkapitalquote und die Eigenkapital-Rentabilität der Banken haben sich leicht verbessert. Trotzdem könnten sich die Zinsmargen bei anhaltend hohen Zinsniveaus reduzieren, da Kunden vermehrt höher verzinste Anlageformen nachfragen könnten.

Bei Versicherungsunternehmen haben die höheren Zinsen sowohl kurz- als auch langfristige positive Effekte. Lebensversicherer und Pensionskassen konnten ihre kurzfristigen Abschreibungsbedarfe durch außerordentliche Kapitalanlageerträge ausgleichen und ihre Risikotragfähigkeit stärken. Dennoch haben Marktwertänderungen bei festverzinslichen Anlagen auch hier zu einem Abschmelzen von Bewertungsreserven geführt.

Die BaFin überwacht weiterhin die Entwicklungen im Finanzsektor, führt Stresstests durch und befasst sich mit den Auswirkungen der Zinsentwicklung auf Verbraucher. Sie beobachtet außerdem das Liquiditätsrisiko bei Versicherern und setzt sich mit den Herausforderungen durch veränderte Marktbedingungen auseinander, um die Stabilität des Finanzsektors zu gewährleisten.