Usmanov und die Gemälde in Hamburg

Veröffentlicht:

Dienstag, 08.11.2022
von Redaktion

Seit Russlands Einmarsch in der Ukraine wird die Liste der vom Westen sanktionierten Russen immer länger und auch das Vermögen von Oligarchen, die dem Kreml nahestehen, außerhalb Russlands unter die Lupe genommen.

Das Recherchenetzwerk von NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“ untersuchte nun den Fall des Putin-Vertrauten Alisher Usmanov. Usmanov, einer der reichsten Männer Russlands, soll in Hamburg Kunstwerke im Wert von fast 5 Millionen Euro deponiert haben. In einer Speditionsfirma in der Nähe des Hamburger Flughafens fanden die Ermittler 30 Gemälde, darunter wahrscheinlich auch ein Werk des französisch-russischen Künstlers Marc Chagall.
Ein Komplize in Hamburg sagt jetzt gegen Usmanov aus

Die Behörden haben Usmanov schon seit Beginn des Krieges im Visier. Dies ist nicht das erste Mal, dass gegen den russischen Milliardär ermittelt wird. Seine Privatjacht, mit 156 Meter eine der größten der Welt, die im Herbst 2021 zur Reparatur in den Hamburger Hafen eingelaufen war, hatte die Aufmerksamkeit der Ermittler auf sich gezogen.

Den Ermittlungen zufolge kamen die Gemälde mit der besagten Privatjacht in Hamburg an und wurden im Herbst entladen und eingelagert. Es wird vermutet, dass ein Kunstberater aus Hamburg dabei geholfen hat. Dieser kooperiere aber dem Bericht zufolge jetzt mit den Behörden. Gemäß dem Sanktionsgesetz hätte Usmanov seine millionenschweren Kunstschätze deklarieren müssen. Der Milliardär bestreitet jedoch jede Verbindung zu den Gemälden.

Schon in früheren Fällen verfolgte der Oligarch eine Strategie, die ihn vor rechtlichen Konsequenzen bewahrt hat. Zum einen ist das Vermögen von Usmanov nicht transparent zwischen Familienmitgliedern und Unternehmen aufgeteilt. Zum anderen habe laut Usmanovs Vertreter dieser keinerlei Kontrolle oder Interesse an den Gemälde, der Jacht und den Villen am Tegernsee. An dieser Argumentation hält Usmanov weiter fest.